Otelfingen: Hitachi Energy baut Campus auf Jelmoli-Areal
Der Technologiekonzern hat sich gegen Wettingen und für das Zürcher Unterland entschieden. Eigentümerin des Areals ist Swiss Prime Site; geplant sind bis zu 3.000 Arbeitsplätze.

Hitachi Energy hat über Linkedin den Standortentscheid für seinen künftigen Schweizer Campus bekanntgegeben. Realisiert wird dieser in Otelfingen (ZH), auf dem gut 10 Hektaren grossen Areal des ehemaligen Jelmoli-Verteilzentrums an der Industriestrasse samt angrenzenden Parzellen. Eigentümerin der Flächen ist Swiss Prime Site (SPS), die im letzten Geschäftsbericht die Fläche der Liegenschaft Industriestrasse 19/21 mit 101.924 qm angab. Durch den Zuschlag sticht die Zürcher Gemeinde das aargauische Wettingen (AG) aus, das sich ebenfalls beworben hatte.
Ausschlaggebend war laut Konzernsprecher Andreas Bachmann, dass das Gelände bereits in der Industriezone liegt und – anders als in Wettingen – keine Umzonung erfordert; dazu kommen ein eigener Bahnhof und eine etappierbare Realisierung. Auf dem Campus will Hitachi Energy fünf heutige Standorte zusammenführen: Altstetten (ZH) sowie Baden, Dättwil, Seon und Turgi (AG). Wettingen und Lenzburg bleiben bestehen, auch der Hauptsitz in Zürich-Oerlikon ist vom Umzug nicht betroffen. Zunächst sind rund 1.200 Arbeitsplätze vorgesehen, mittelfristig bis zu 3.000.
Gelände in Industriezone
Das Areal liegt in Otelfingens rund 400.000 qm grosser Industriezone. Prägend ist ein über 300 m langer Bau, den Architekt Roland Rohn in den 1960er-Jahren als Vorzeigeobjekt des Systembaus errichtete; er steht teilweise unter Denkmalschutz und darf nur unter Wahrung der Schutzziele umgebaut werden. Erhalten bleiben auch Heizhaus mit Kamin und Portiergebäude. Eine Studie zum Projekt stammt von Ilmer Thies Architekten. Vorgesehen ist eine erste Phase mit Fertigstellung ab 2030 – mit Neubauten östlich und westlich des Bestands und einer schrittweisen Umnutzung des Jelmoli-Gebäudes für Logistik, Forschungscenter, Konferenzbereich, Kita und Restaurant –, gefolgt von einer zweiten Phase ab 2035 mit zusätzlichen Produktionskapazitäten. Der Spatenstich ist laut «Tages-Anzeiger» für 2027 geplant.
Niederlage für den Aargau
Für den Aargau ist der Entscheid ein Rückschlag. Hinfällig wird die auf Wettingen ausgerichtete Anpassung des kantonalen Richtplans im Gebiet Tägerhardächer; der Regierungsrat will dem Grossen Rat den Rückzug des Geschäfts beantragen, das Areal bleibt der Landwirtschaft gewidmet. Rund 1.000 Stellen, die der Kanton im Energie-Cluster Baden-Wettingen sichern wollte, wandern damit ins Zürcher Unterland. Erst wenige Tage zuvor hatte die zuständige Grossratskommission der Richtplananpassung zugestimmt (IB berichtete).
Die Gemeinde Otelfingen wertet die Ansiedlung als Meilenstein – vergleichbar mit dem Bau des Jelmoli-Zentrallagers in den 1960er-Jahren.
