Abstimmungen: Aufatmen in der Immobilienbranche
Immobilienakteure haben insbesondere die Ablehnung des Bevölkerungsdeckels sowie der Zürcher Wohnschutzinitiative positiv aufgenommen. Auch in Luzern und Zug fanden wichtige Urnengänge statt.

Der Abstimmungssonntag am 14. Juni war aus Sicht der Immobilieninvestoren hierzulande ein wichtiger Tag. Zwei wegweisende Resultate wurden sehr positiv aufgenommen: Zum einen ist die sogenannte Nachhaltigkeitsinitiative, die die Schweizer Wohnbevölkerung auf 10 Millionen Personen begrenzen wollte, abgelehnt worden. Eine Annahme hätte aus Sicht der Swiss Finance & Property Group «negative Signale an internationale Firmen gesendet und damit den Wirtschaftsstandort Schweiz und die Immobilienwirtschaft geschwächt». Schliesslich seien internationale Firmen bedeutende Nachfrager von Büroflächen, eine Annahme hätte eine Schwächung ihrer Standortattraktivität bedeutet.
Ähnlich kommentiert der Zürcher Handelskammer das Ergebnis: Das Stimmvolk habe «ein klares Zeichen für einen offenen, vernetzten und zukunftsorientierten Wirtschaftsstandort gesetzt», schreibt die ZHK in einer Mitteilung. Der Entscheid stärke die Voraussetzungen dafür, dass die Schweiz «auch künftig auf qualifizierte Arbeitskräfte zählen, ihre Innovationskraft erhalten und ihren Wohlstand sichern kann und ist ein klares Bekenntnis zum bilateralen Weg.» Gleichwohl blieben die Probleme im Zusammenhang mit Bevölkerungswachstum, Wohnraum und Infrastruktur ungelöst. «Umso wichtiger ist es nun, die bestehenden Herausforderungen gezielt anzugehen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Stärken der Schweiz zu bewahren.»
Abstimmungen in Zürich, Zug und Luzern
Zum anderen hat die Zürcher Bevölkerung die Wohnschutzinitiative relativ deutlich abgelehnt. Diese wollte nach dem Beispiel von Genf und Basel Renovationen der Bewilligungspflicht unterstellen und dann den Mietzins deckeln. Investitionen in den Gebäudepark wären bestraft worden, was zwangsläufig zu weniger Erneuerungsinvestitionen geführt hätte. «Die kurzfristige Wirkung von solchen Regeln sieht man in Basel, wo die Bauinvestitionen nach deren Einführung um 80% eingebrochen sind», kommentiert die SFP. «Für die Langzeitwirkung bietet Genf Anschauungsunterricht, wo trotz strenger Regulierung weiterhin hohe Mieten und ein angespanntes Wohnungsmarktumfeld bestehen.»
Dass der Immobilienmarkt mobilisiert, haben zwei weitere Abstimmungen am Wochenende gezeigt. So hat der Stimmbürger der Stadt Luzern ein Vorkaufsrecht bei Immobilienverkäufen eingeräumt. Die Zuger haben dem Überbauungsplan für die Metalli zugestimmt. «Neben den zwei Abstimmungen in Luzern und Zug stimmte die Schweizer Bevölkerung zwei mal nein zu Deckelungen – sowohl bei der Bevölkerungsentwicklung als auch den Mietpreisen», so die SFP. Aus Sicht des Unternehmens positiv zu werten seien die Ergebnisse insbesondere auch für die Bauwirtschaft und die Handwerker, die besonders unter einer Annahme gelitten hätten. «Wichtig ist das Ergebnis nicht zuletzt auch für die Investoren: Die Ergebnisse schaffen Klarheit über die regulatorischen Rahmenbedingungen, was die Marktteilnehmer positiv aufnehmen dürften.»
«Risikoereignis» ausgefallen
Der Real-Estate-Analyst Zoltan Szelyes hatte die beiden Abstimmungen im Vorfeld als «potenzielles Risikoereignis» eingestuft. Nach seiner Beobachtung hatten viele Investoren den Kanton Zürich in den vergangenen Monaten als Investitionsstandort gemieden». Szelyes rechnet nun mit einer Normalisierung. Mit Blick auf die Nachhaltigkeitsinitiative schreibt er: «Die zentrale Frage ist nun, auf welchem Niveau sich die Nettozuwanderung in den kommenden Jahren einpendeln wird.» Der Durchschnitt hatte seit Abschluss des Freizügigkeitsabkommens 80.000 Menschen pro Jahr betragen. Die 10-Millionen-Initiative hätte zu einer Reduktion auf 37.000 Menschen führen sollen und eine um 18.000 bis 20.000 Wohnungen tiefere Nachfrage bedeutet. Allerdings glaubt Szelyes nicht, dass die bisherigen Durchschnittszahlen auch nach Ablehnung der Initiative wieder erreicht werden.
- Über die Abstimmungen hatten wir detaillierter hier berichtet.
