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Ein Fels in der Brandung

Von Rolf Breiner

 

Marktanalysen – Ringsum haben sich die Wirtschaftswogen noch nicht geglättet, es sind Nachbeben zu spüren. Hierzulande ist der Finanzmarkt nicht aus den Fugen geraten, die Konjunkturlage zeigt sich ordentlich, und die Aussichten für den Bau- und Immobiliensektor in der Schweiz sind eher rosa denn düster.
Vor gut einem Jahr begann der Flächenbrand, der manche Unternehmen in den Strudel zog und verschlang. Von Amerika griff er auf den Weltmarkt über. Die Bilanz im September 2009 ist in einigen Ländern ernüchternd, in manchen katastrophal und niederschmetternd. Die Weltwirtschaftskrise ist noch nicht beendet.

 

Und wie steht die Schweiz da? Brillant. Glaubt man dem «Global Competitiveness Report 2009-2010» des World Economic Forum (WEF), so steht das Eiland Schweiz wie ein Fels in der Brandung. Es wurde zum konkurrenzfähigsten Land der Welt hochgelobt. Das verdanken wir unter anderem unserer Widerstandskraft inmitten der globalen Turbulenzen. Ist die Schweiz also Weltspitze, wie der «Tages-Anzeiger» titelte? Diesen Rang verdankt unser Land vor allem den Ereignissen seit der Lehman-Bank-Pleite, also der unmittelbaren Vergangenheit. Die Schwächen der anderen machte uns stark. Doch wie sieht es in naher Zukunft aus?

Normal bis schlecht

In der jüngsten Konjunkturumfrage (August 2009) der Credit Suisse in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben sich die Aussichten leicht verbessert. Es wird heller am Horizont. Die wirtschaftliche Dynamik soll nach Meinung jedes dritten Experten (37,2 Prozent) in den nächsten sechs Monaten zulegen und die Konjunktur wahrscheinlich in diesem Zeitraum verbessern. Nur 18,6 Prozent der Befragten sind negativ eingestimmt und erwarten eine Verschlechterung der Konjunktur im nächsten halben Jahr. Die aktuelle Wirtschaftsdynamik wird als «normal» (20,6 Prozent) bis «schlecht» (79,1 Prozent) taxiert. «Gut» findet diese Situation niemand.

«Zeichen einer Bodenbildung»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beobachtet den Markt genau und kontinuierlich. Sie kommt Mitte September zu dem Schluss, dass sich die Schweiz als robust und stabil erweist. Dass der Schweizer Wirtschaftsmotor nicht überall auf Hochtouren läuft und vor Stauungen und Hindernissen nicht gefeit ist, kann man tagtäglich lesen oder hören. Sieht man einmal von argen Fehleinschätzungen und -leistungen gewisser Banken ab, ist die Wirtschaftslage jedoch einigermassen stabil und solide. Jean-Pierre Jetzer, Direktor der SNB St. Gallen, zeichnete anlässlich einer Presse-orientierung über die Immo Messe 2010 ein tendenziell positives Bild gegenüber dem Frühjahr 2009. Er führte zur Konjunkturlage für den Bau- und Immobiliensektor aus: «Nach den massiven Einbrüchen im Bestellungseingang und Umsatz, vor allem in der Exportindustrie, verdichten sich die Zeichen einer ‹Bodenbildung›. Der Abbau der Vorratslager hat sich in den letzten Monaten auf allen Stufen der Lieferkette beschleunigt. Allerdings erfolgen die Aufträge immer noch sehr hektisch und synchron zur stark geschrumpften Produktion beim Kunden. Dies deutet darauf hin, dass bis auf weiteres noch nicht mit einer höheren Endnachfrage gerechnet wird. Das Investitionsverhalten der Unternehmer ist entsprechend zurückhaltend. Der private Kunde hält sich indessen bemerkenswert stabil und signalisiert noch keine Krisenspuren im Ausgabenverhalten.»
Klar ist auch, dass der Wendepunkt noch nicht erreicht ist. «Wir gehen darauf zu», meint Jetzer. Ebenso klar ist auch, dass der Konsum und die Bauwirtschaft robust sind. Und das nicht nur im Osten, also in der Ostschweiz.

Keine Erschütterungen

Die Nachfrage im Wohnungsbereich ist erfreulich, «wobei auch vermehrt die Renovationssparte und das Ausbaugewerbe von den staatlichen Förderungsmassnahmen im Energiebereich profitieren» (Jetzer). Ein Einbruch ist in diesem Sektor nicht zu erwarten. Ein Indiz dafür ist auch die Anzahl der Baubewilligungen, die kaum abgenommen haben. Es fragt sich in dieser Hinsicht nur, welche Bauvorhaben werden wann realisiert, wenn überhaupt?
Die Immobilienwirtschaft wurde nicht erschüttert, sie scheint gesund, denn hierzulande gab es keine Blasenbildung bei den Immobilienpreisen. Büroflächen dürften einen schweren Stand haben, doch auf dem Wohnungsmarkt herrscht keine Flaute. Das zeigt auch der Angebotsmietindex von homegate (Seite 73). Es wird fleissig gebaut vom Säuliamt bis zum Thurgau, und gute Lagen mit entsprechender Anbindung und Minernergie-Zertifizierung sind begehrt. Und wichtig: Das Preisgefüge ist stabil geblieben. Es dürfte zwar Preiskorrekturen geben, prognostiziert Jean-Paul Jetzer, aber Abstürze seien keine zu befürchten und von Kreditklemme könne keine Rede sein. Der Fachmann sieht auch, dass Immobilien als Vermögensanlage aufgrund der grossen Unsicherheit an den Aktienmärkten für Pensionskassen und Privatanleger attraktiver geworden sind. Inflationäre Zeichen sind keine vorhanden. Im Gegenteil, man spricht von einer Disinflation (einer Minusteuerung) um minus 0,5 Prozent. Abstriche muss man freilich hinsichtlich des Arbeitsmarktes machen.

Die SNB rechnet mit einer verzögerten, durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von rund vier Prozent an der «konjunkturellen Bruchkante».
 

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